Hallo, alle Zusammen!
Heute, so kurz vor Weihnachten, komme ich endlich dazu noch einmal abschließende Worte zu meinem Freiwilligendienst in Mexiko zu sagen.
Hier möchte ich weniger nochmal auf die letzten Aktivitäten in Mexiko eingehn, sondern mehr auf die schon verbrachte Zeit in Deutschland. Zu den letzten Monaten in Mexiko hänge ich den offiziellen Abschlussbericht an, in welchem ich noch einmal sehr ausführlich Stellung beziehe, Erfahrungen schildere und auch sehr offen spreche. Daher denke ich ist das ausreichend.
Am 27. September kam ich am Flughafen in Frankfurt an, ich wurde von meinem Vater, meinem Bruder und zu meiner Überraschung auch Lena abgeholt. Ich hatte es mir so gewünscht, wusste aber nicht ob sie würde kommen können.
Auf dem Weg nach Hause war erst einmal vieles merkwürdig. Die erste vielleicht nebensächliche Feststellung: Auf der Autobahn, kann man sooo schnell Fahren!
Es war ein wunderbares Gefühl nach so lange Zeit zum ersten Mal wieder nach Hause zu kommen. Am tiefsten berührte mich der Schritt über die Türschwelle von meinem Elternhaus. Der Geruch der mir in die Nase stieg von prasselndem Feuer im Kamin, Orangen und Zimtduft dazu den warmen, sich vor mir ausbreitende, helle Hausflur. Dieser Moment ließ mich kurz stillstehen und raubte mir für einen Moment den Atem. Ich war zuhause!
So schön dieser Moment war, da ich mich in Jena zum Studium eingeschrieben hatte und dieses schon an 3.Okt begann, blieb mir nicht viel Zeit diese Atmosphäre wieder ganz aufzunehmen. Mir blieben zwei Tag zuhause ehe ich dann nach Jena aufbrechen sollte um eine Bleibe zu suchen und umzuziehen. Diese zwei Tage versuchte ich bestmöglich mit den mir nächsten zu teilen und ich wäre vielleicht froh gewesen hätte ich etwas länger Zeit gehabt. Dass mir kaum Zeit bleiben wird, wirklich zuhause anzukommen, war schon vor Beginn meines Freiwilligenjahres klar. Einfach durch die vorgegebene Dauer des weltwärts-FWD.
Ich bin dann nach Jena aufgebrochen und hab wohl das gewöhnliche erlebt. WG-Castings mit über 30 Bewerbern auf ein Zimmer! Studenten, die auf Campingplätzen wohnen, usw. Ich hatte dagegen noch Glück und konnte zwei Wochen bei CouchSurfern wohnen (CouchSurfing ist ein Portal, in dem Leute ihre Couch für (normalerweise) Reisende kostenlos zur Verfügung stellen). Nach diesen zwei Wochen hatte ich dann eine 2er WG in einer Plattenbausiedlung gefunden. Ich wusste schon ich würde da nicht auf Dauer bleiben wollen. Die Wohnung war verraucht, der Mitbewohner wohnte schon ungefährt 8 Jahre in dieser Wohnung und stand gerade vor den mündlichen Abschlussprüfungen seines Diploms. Er hatte gewollt, dass ich die Wohnung übernehme. Ich wollte aber lieber selbst eine andere WG beziehen und mich nicht auf Dauer in der Platte binden. Um Vorurteile auszuräumen: Die Platte an sich war weniger schlimm als gedacht. Quietschende Betten, tapsende Kinderfüße und so weiter nahm ich mit Humor! J
Mitte November dann habe ich eine neue Bleibe gefunden, in einer 5er WG mit vier Nordlichtern aus der Nähe von Heide (http://tinyurl.com/LageVonHeide) . Super nette Leute und es macht richtig Spaß mit ihnen zusammen zu wohnen.
Mein Studium hatte ich zu Anfang unterschätzt. Mir wurde schnell klar, dass das keine Schule mehr ist. Also aus der Traum „Nichts tun und trotzdem gut“. Ich sitze oft bis abends mit meinen Kommilitonen zusammen und löse Übungsaufgaben, die jede Woche abzugeben sind. Es ist viel! Ich möchte mich nicht beklagen, aber die Umsetzung von Diplom zu den Bachelorstudiengängen hält was die Gerüchte versprechen. Gleicher Stoff in weniger Zeit. Es geht noch, ich komme noch mit, man passt sich auch dem Tempo an. Allerdings bleibt trotzdem wenig Zeit für freies Informieren oder Interessen, die nicht direkt mit dem Studium zusammenhängen.
Ich möchte weiter an der Trompete aktiv bleiben. Ich habe auch schon 2 Konzerte mit einer BrassBand in Jena mitgespielt. Bin nach den Konzerten allerdings wieder befristet ausgetreten, da die Proben doch oft Zeit raubten, die ich eigentlich hätte für die Uni nutzen sollen. Das fiel mir dann immer am nächsten morgen im Seminar auf. Ich war in der Probe und hatte Spaß dort, die andern haben sich während dessen noch weiter mit den Aufgaben auseinandergesetzt und hatten dementsprechend mehr beizutragen.
Mittlerweile habe ich aber das Gefühl, wieder gut im Rennen zu sein. Ich bemühe mich und lerne fleißig.
Bezüglich meines „weltwärts“-Jahres bin ich in Jena der sogenannten WinD-Gruppe (Weltwärts in Deutschland) beigetreten. Der Träger ist allerdings der DED, nicht das DRK. In dieser Gruppe treffen sich ehemalige „weltwärts“-Freiwillige um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Projekte zu organisieren. Außerdem erhalten wir Coachings und Feedback für Vorträge und Präsentationen.
Momentan starten wir eine Fotoausstellung aus den verschiedenen Ländern (im Moment Mexiko, Kambodscha, Philipinen). Die Idee ist gleich Motive aus verschiedenen Themen wie Arbeit oder Freizeit aus zwei Perspektive zu fotografieren. Einmal aus der Perspektive der Freiwilligen und einmal aus der der Einheimischen. Ich bin gespannt!
Ebenfalls schon im Gange ist der sogenannte „weltwärts-Laden“. Aus der Tatsache, dass in vielen weltwärts-Projekten etwas hergestellt wurde entstand die Motivation diese Produkte in Deutschland zu verkaufen (in meinem Fall Stofftaschen: http://www.fundaciontlaloc.org/images/tmp_otomi_pp.jpg ). Das alles soll ohne Gewinn auf deutscher Seite geschehen und erst einmal in kleinem Rahmen. Momentan ist das einzige Produkt Armbänder aus Bolivien. Buxas (Stofftaschen) der Fundacion Tlaloc (mein Projekt) müssten, wenn alles gut gegangen ist seit heute, Dienstag, unterwegs sein. Dazu kommen dann noch Armbänder von den Philipinen. Die Produkte sollen dann auf kleinen Flohmärkten oder im privaten Umfeld verkauft werden um ersteinmal zu sehen ob die Idee denn funktioniert und um angemessene Preise zu finden.
Momentan bin ich gerade zuhause in Bischoffingen und freue mich allen endlich mal wieder eine Nachricht zukommen zu lassen.
Aus dem Wohnzimmer dringt Weihnachtsmusik nach oben zu mir ins Zimmer. Noch zwei Tage, dann ist Weihnachten!
Ich wünsche allen besinnliche Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!
Mit lieben Grüßen
Lukas
PS. Ich würde alle gerne weiter auf dem laufenden halten, wer in den direkten Mailverteiler aufgenommen werden möchte, melde sich bitte bei mir.

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