Mittwoch, 16.6.2010
Endlich kann ich mich mal wieder zu Wort melden! Es ist schon eine ordentliche Weile her seit meinem letzten Eintrag, ich würde sogar sagen Rekordzeit zwischen zwei Einträgen. Ich wurde währendessen nicht nur einmal gebeten endlich wieder etwas von mir hören zu lassen…
Im Augenblick sitze ich grade im Bus von Mexiko Stadt nach Toluca. Vor etwa einer Stunde, habe ich Timm am Flughafen MexikoStadt alleine gelassen. Er hatte es wirklich geschafft mich zu besuchen! Drei Wochen mit einem so engen Freund hier in Mexiko zu verbringen ist echt was tolles! Man sieht die Dinge wieder leichter und trägt nochmal die „Wow-Alles-Völlig-Anders-In-Mexiko“-Brille. Man wird sich mehr und mehr bewusst an was man sich schon alles gewöhnt hat und erinnert sich vage, was einem anfangs noch völlig fremd, abstrus und seltsam vorkam. Die Leute, das Essen, die Autos, überhaupt das Landschafts- und Stadtbild. Die gesellschaftlichen Merkmale, die gewaltige soziale Schere, der ganze Müll auf den Straßen.. aber auf der anderen Seite auch eben der atemraubenden Schönheit und Vielfalt, die dieses Land einem zu bieten hat.
Neun Tage der Zeit, die Timm hier verbrachte, hielten wir uns in Quintana Roo auf. Der süd-östlichste Bundesstaat Mexikos, direkt an der Grenze zu Guatemale und Belize. Zur Yucatan-Halbinsel gehörend und als Teil der Karibik wohl einer der weltweits berühmtesten Teile Mexikos. Es lässt sich hier noch alles finden. Auf der einen Seite Cancun, die Touristenhochburg schlechthin, hinreichend für das „Springbreak“-Gelage der US-Studenten bekannt. Mit Hotelbunker neben Hotelbunker an einem wirklich umwerfend türkisen Meer! Weiter im Süden, das eher bei europäischen Touristen bekannte „Playa del Carmen“. Immer noch in einigen Teilen idyllische, da auch Lokaltourismus stattfindet, allerdings bereichtert sich die Tourismus- und Vergnügungsindustrie immer weiterer Strand und Stadtabschnitte. Immer weiter Richtung Süden und ins Landesinntere gehts dann immer und immer natürlicher und beschaulicher zu. Quintana Roo besteht fast noch zu 70% aus reinem Urwald! Und Urwald heißt dann auch Urwald! Kein, aber auch wirklich gar kein Durchkommen ohne schon vorgehauene Wege oder ortskundige Führer. Wir hatten das Glück einen Maya kennengelernt zu haben, der auf das Bauprojekt einer Französischen Familie im „Monte“ (Regenwald) aufzupassen hatte. „Humberto“, sein Name, war so freundlich und nett uns ein wenig durch den Dschungel zu führen und uns eine Nacht bei ihm auf dem Gelände zu verbringen, natürlich nach Absprache mit den Besitzern. Lautstarke und völlig unbekannte Vogelgesänge waren die ganze nacht zu hören. Als wir dann am nächsten Morgen unsere kleine Wanderung durch den Wald antraten, mit Machete und Stöckchen bewaffnet sahen wir Schmetterlinge, Vögel und Pflanzen mit herrlich buntem Aussehen. In der Region gibt es noch eine Menge Jaguare, Pumas, Wildkatzen im allgemeinen, Vipern, Boas… und eine Menge, Menge Schnaken. Katzen und Schlangen bekamen wir keine zu Gesicht, ich bin auch nicht ganz sicher, was mir denn lieber gewesen wäre.
Zwei ganze Tage verbrachten wir am Strand um Tulum, einer Maya-Ruine direkt an der Küste. In den Sanddünen an einem der wenigen öffenltichen Strände fanden wir, nachdem wir uns mit den Sicherheitskräften eines Hotels angelegt hatten und jene uns von ihrem Grundstück verscheucht hatten, mit unseren beiden Hängematten platz. Herrlich!
Den letzten Tag vor dem Rückflug nach Toluca verbrachten wir noch einemal in Playa del Carmen, wo wir schon bei der Ankunft einige nette Mexikaner kennengelernt hatten. Allesamt Gastronomiestudenten die von einer Stadt aus dem Norden, San Luis Potosi, nach Playa del Carmen kamen um in den unzähligen Hotels und Restaurants Praxisstunden zu sammeln. Aufgeschlossene und supernette Jugendliche, welche uns einfach so ihre Türen öffneten im über Nacht zu bleiben!
Den gestrigen Abend und Timms letzter Abend in Mexiko verbrachten wir in der Jazzbar, wo ich mittlerweile sehr sehr regelmäßig die Bühne betrete. Momentan findet das erste Jazz-Festival Tolucas statt, ich bin Dienstags und Freitags mit einem Ensemble eines verrückten Peruaners dabei und Mittwochs wie gewöhlich bei der Jam-Session.
Was mich überrascht ist der nicht geringe Besucherandrang! Montag und eben gestern Dienstag war beide Male gerammelt voll. J
Die Arbeit geht den gewohnten Gang, allerings haben die Kinder in unseren Präsentationen immer Überraschungen auf lager! Unsere Präsentation dreht sich hauptsächlich um die 3 R’s, die Grundsätze des Umweltschutzes. Reduce, Reuse, Recycle – oder eben in Spanisch. Reduce, Reutiliza, Recicla! Es geht grundsätzlich um die Umweltverschmutzung durch Müll, vorzüglich Plastik. Wir betrachten den Müll hier als weltgefährdendes Problem, so dass wir die Kinder zu „Superhelden“ im Kampf gegen den Müll ausbilden. Quasi die Welt vor dem bösen Müllmonster zu retten. Das alles kommt normalerweise Recht gut bei den Kindern an.
Dass wir nach unserer Herkunft ausgefragt werden, Deutsch reden sollen, sogar Autogramme geben sollen ist fast schon normal hat allerdings nicht so viel mit der überlieferten Nachricht zu tun.
Vor etwa 4 Wochen passierte etwas für mich faszinierendes und höchst befriedigendes. Nachdem ich grade den letzten Teil meiner Präsentation beendet hatte, meldet sich ein kleiner Junge mit gelockten Haaren. Schaut mich mit großen Augen an und fragt tatsächlich, ob wir nicht mit der ganzen Schulklasse auf den Hof gehen könnten um den ganzen rumliegenden Müll einzusammeln! Ich hätte Freudensprünge machen können. Besser gesagt ich habs gemacht! Die Bilder sind unter dem üblichen Bilderlink zu finden: http://picasaweb.google.de/luckylukemexiko
Mittlerweile bin ich übrigens in Toluca angekommen und sitze gerade in unserem wöchentlichen Radioprogramm. Thema heute ist die Explosion einer Müllhalde zwischen Mexikostadt und Toluca. Es wurden etwa 400 Häuser beschädigt, glücklicherweise kam aber niemand ums leben. Das trifft eigentlich genau den Themenbereich den wir abdecken. Weniger Müll, weniger Müllkippen.
Nun gut, die Müllkippen sind hier nicht, wie man sie sich vielleicht im deutschen Lande vorstellt, von Drainagen durchzogen, ständig überwacht, nach oben und unten abgedeckt, regelmäßig bewegt.. Oft ist hier der Fall, dass einfach ein großes Loch gegraben wird, das dann mit Müll gefüllt wird. Da regnets dann drauf, die Sonne brennt drauf und die ganze Soße versickert dann ins Grundwasser, was man dann wieder aus Brunnen vielleicht in 100m Entfernung der Müllkippe wieder aus dem Boden pumpt. Nun gut, technisch gesehn ist Deutschland dan besser vorbereitet und bewusster, weniger Müll produzieren wir hingegen nicht. Jeder Deutsche produziert etwa 500kg Müll jährlich. Ein Mexikaner etwa 300kg.
Wieder zu erfreulicheren Themen: Diesem Samstag wird der 19. Juni 2010 sein. Das heißt ich werde 20! J Ich werde ebenfalls im Lando, der JazzBar, feiern und spielen mit den Musikerfreunden!
Herzliche Grüße an alle!

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