26. März 10
Genau zwei Monate seid dem letzten Schreiben vergangen. Heute, bedingt durch eine Erkältung, finde ich zum Glück einmal wieder Zeit und Lust meinem „zurückgelassenem Leben“ Bericht zu erstatten.
Das letzte Wochendeende fand das Zwischenseminar des unseres Weltwärts-programmes statt. Wir haben Eindrücke der letzten 6 Monate besprochen, in wie fern unsere Erwartungen erfüllt werden usw. Eine Freiwillige aus unserer 16köpfigen Gruppe, die Deutschland in verschiedene Richtungen im Oktober verließ hat ihren Dienst in Chile schon Frühzeitig beendet. Gründe waren: Enttäuschung, Unzufriedenheit, mangelde Arbeitsmöglichkeiten und auch Heimweh. Sie wird nun ihr Freiwilligenjahr in Deutschland in einem FSJ-Projekt zu Ende führen. Generell war ich überrascht wie viele Probleme viele mit ihren Projekten auch in Mexiko hatten, eine Freiwillige wurde aus ihrem Projekt gefeuert und ist im Moment quasi „Arbeitslos“. Andere wollen ihre Gastfamilie schnellst möglich verlassen oder ihren Wohnort vom Arbeitsort trennen. Alles verständliche Dinge, ich würde vermutlich auch so handeln, nur bin ich eigentlich ganz zufrieden mit meinem Projekt!
Im Projekt war die letzte Zeit viel los! Wir hatten schon vor einer Weile neunjähriges Jubiläum, das war eine Zeit in der wir ein wenig Stress hatten, mit der ganzen Organisation und Promotion. Da warn wir jeden Tag auf der Straße, haben Karten verkauft, erklärt was wir so machen, kann auch ganz schön anstrengend sein, sich den ganzen Tag den Mund fusslig zu reden um dann ein „Si, voy a ver“, also ein mexikanisches Nein zu hören.
Einige Zeit davor hatten wir ein Forum „Mexico a debate“, ein Veranstaltung in der man als Bürger hätte Vorschläge für Verbesserungen im Land hätte einreichen sollen. Leider kamen wir da zwischen verschiedene Mühlräder. Einmal, dass einfach hier eine so große Gleichgültigkeit herrscht, die Einstellung ist „Es wird sich ja sowiso nichts ändern“. Um das andere Mühlrad zu verstehen braucht es etwas mehr Erklärung: Mexico a debate, ist ein Initiative der föderalen Regierung Mexicos, wo momentan Calderon mit seiner Partei PAN regiert. Der „Estado de México“ wird allerdings von der Konkurrenzpartei PRI geführt und man munkelt, dass der aktuelle Gouverneur Enrique Peña Nieto der nächste Bundespräsident sein wird. Nun wir wollten die Veranstaltung in der Universität des Estado de Mexico abhalten wollten, die eigentlich in ihrem Namen das Adjektiv „Autonom“ trägt. Trotz allem erhielten wir zwei Tage vor dem angesetzten Termin einen Anruf, ja die Veranstaltung könne nicht mehr stattfinden, belegt mit sehr sehr fadenscheinigen Gründen. Letztenendes konnten wir uns noch durchsetzen, den Termin beizubehalten, wurden aber quasi boykottiert. Es war ja geplant, dass auch Profs mit ihren Klassen kommen usw, nicht die Bohne, wir saßen dann da mit etwa 10 Leuten. Alles also etwas enttäuschend, zumal wir bestimmt zwei Wochen wieder auf der Straße standen und Werbung gemacht hatten.
In der Arbeit mit der Communidad sind einige Fortschritte zu verzeichnen, wir haben mehr Stoffe gekriegt um die Taschen für SuperKompras zu produzieren, mehr Kontakte zu Schneidern hergestellt die uns ihre Stoffreste schenken um schöne Taschen herzustellen. Wir haben einen ersten Vertrag mit einem Optiker, der nun anstelle von Papierhochglanztüten von der Communidad hergestellte Mantataschen verwenden will (Manta, der traditionelle Stoff aus der Gegend hier, grob gewobener weißer Garn (glaub ich)). Das Bildungszentrum nimmt auch immer konkretere Formen an, auch wenn ich mittlerweile aus dem Glauben bin, dass es noch vor meiner Abreise stehn wird. Es läuft also alles seinen normalen Gang, wenn auch manchmal etwas langsamer, in die richtige Richtung.
Dann hatten wir noch eine neue Bicitour, war auch wieder ganz nett, allerdings waren weniger Leute als beim ersten mal dabei.
Sonst läuft so der normale Trott in der Arbeit weiter, ich bastel viel an der Homepage rum, halte Präsentationen, usw.
Bilder aus der Arbeit:
http://picasaweb.google.de/fund.tlaloc
Im Privatleben: War wieder viel unterwegs die letzte Zeit. Bin viel Fahrrad gefahren, war im Valle de Bravo und aufm Vulkan, auf dem kleinen Hügel hier in Metepec und auf ner Hubbelpiste.. bin mit den Fachausdrücken noch nicht so vertraut. Die letzten Reisen haben ins DF und nach Malinalco geführt. War super!
Bilder:
http://picasaweb.google.de/luckylukemexiko
Zu der Odyssee der Spendenbescheinigungen:
Ein unglaubliches Durcheinander, ich entschuldige mich hiermit bei allen Spendern.
Stand der Dinge:
Es werden nur noch Spendenbescheinigungen ab 100€ verschickt, da man kleinere Beträge, laut DRK, auch so einreichen kann. Eigentlich müssten nun auch schon alle angekommen sein. Ich hab bisher zumindest eine Rückmeldung, dass eine angekommen sei. Warum sie erst so spät kommen hat den Grund, dass nicht wie anfangs gesagt laufend Bescheinigungen rausgingen, sondern einer nach dem andern abgearbeitet wurde. Da mein Name Stein auch nicht grade am Anfang des Alphabets steht, war ich natürlich auch nicht der erste der Bearbeitung erhielt.
An dieser Stelle nochmal Herzlichen Dank an alle Spender!!
Falls jemand noch eine Bescheinigung vermisst, bitte bei mir melden.
Lukas

1 Kommentar
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20. April 2010 um 19:47
Don Rudolpho
Hola Lukas,
Habe mit großem Interesse auf deiner Homepage gelesen und geschaut.
Prima Sache!!
Wünsche dir gute Besserung und weiter viel Freude an dieser Arbeit.
Onkel Rudolpho aus Eichstetten.