Hallo alle zusammen!

Ich hoffe alle fanden einen guten Start ins Jahr 2011. Mir ists ganz gut gelungen. Mit zwei alten Schulfreunden und Kika habe ich in Freiburg das alte Jahr ablaufen lassen! Dieses Jahr war bessere Sicht. Dabei konnten wir feststellen, dass die Feiernden in der Günterstalstraße ihr ganzen Monatsgehalt dazu versetzt hatten, uns ein schönes Silvesterfeuerwerk zu ermöglichen. Danke! :)

Zum Ernst der Sache:

Meine Entsendeorganisation hat mich dazu eingeladen bei einem Podcast mitzumachen (ein Internetradio sozusagen, bei dem man sich die Beiträge aber je nach Lust und Zeit anhören kann). Ich hab gerne zugesagt. Der Podcast war außerdem eine willkommene Aufforderung mich noch einmal ernsthaft mit meinem Aufenthalt zu beschäftigen.

Ich möchte jeden Einladen sich dieses 20minütige Interview einmal anzuhören. Es entspricht sicher nicht alles der ganzen Wahrheit. Ich bin selbst schon auf Widersprüche gestoßen. Trotzdem würde ich mich über Kritik wirklich freuen, sei sie positiv oder negativ!

Hier der Link dazu: http://www.drk-baden-podcast.de/

Viele Grüße aus dem sehr sehr verschneiten Jena!
Lukas

Hallo, alle Zusammen!

Heute, so kurz vor Weihnachten, komme ich endlich dazu noch einmal abschließende Worte zu meinem Freiwilligendienst in Mexiko zu sagen.

Hier möchte ich weniger nochmal auf die letzten Aktivitäten in Mexiko eingehn, sondern mehr auf die schon verbrachte Zeit in Deutschland. Zu den letzten Monaten in Mexiko hänge ich den offiziellen Abschlussbericht an, in welchem ich noch einmal sehr ausführlich Stellung beziehe, Erfahrungen schildere und auch sehr offen spreche. Daher denke ich ist das ausreichend.

Am 27. September kam ich am Flughafen in Frankfurt an, ich wurde von meinem Vater, meinem Bruder und zu meiner Überraschung auch Lena abgeholt. Ich hatte es mir so gewünscht, wusste aber nicht ob sie würde kommen können.

Auf dem Weg nach Hause war erst einmal vieles merkwürdig. Die erste vielleicht nebensächliche Feststellung: Auf der Autobahn, kann man sooo schnell Fahren!

Es war ein wunderbares Gefühl nach so lange Zeit zum ersten Mal wieder nach Hause zu kommen. Am tiefsten berührte mich der Schritt über die Türschwelle von meinem Elternhaus. Der Geruch der mir in die Nase stieg von prasselndem Feuer im Kamin, Orangen und Zimtduft dazu den warmen, sich vor mir ausbreitende, helle Hausflur. Dieser Moment ließ mich kurz stillstehen und raubte mir für einen Moment den Atem. Ich war zuhause!

So schön dieser Moment war, da ich mich in Jena zum Studium eingeschrieben hatte und dieses schon an 3.Okt begann, blieb mir nicht viel Zeit diese Atmosphäre wieder ganz aufzunehmen. Mir blieben zwei Tag zuhause ehe ich dann nach Jena aufbrechen sollte um eine Bleibe zu suchen und umzuziehen. Diese zwei Tage versuchte ich bestmöglich mit den mir nächsten zu teilen und ich wäre vielleicht froh gewesen hätte ich etwas länger Zeit gehabt.  Dass mir kaum Zeit bleiben wird, wirklich zuhause anzukommen, war schon vor Beginn meines Freiwilligenjahres klar. Einfach durch die vorgegebene Dauer des weltwärts-FWD.

Ich bin dann nach Jena aufgebrochen und hab wohl das gewöhnliche erlebt. WG-Castings mit über 30 Bewerbern auf ein Zimmer! Studenten, die auf Campingplätzen wohnen, usw. Ich hatte dagegen noch Glück und konnte zwei Wochen bei CouchSurfern wohnen (CouchSurfing ist ein Portal, in dem Leute ihre Couch für (normalerweise) Reisende kostenlos zur Verfügung stellen). Nach diesen zwei Wochen hatte ich dann eine 2er WG in einer Plattenbausiedlung gefunden. Ich wusste schon ich würde da nicht auf Dauer bleiben wollen. Die Wohnung war verraucht, der Mitbewohner wohnte schon ungefährt 8 Jahre in dieser Wohnung und stand gerade vor den mündlichen Abschlussprüfungen seines Diploms. Er hatte gewollt, dass ich die Wohnung übernehme. Ich wollte aber lieber selbst eine andere WG beziehen und mich nicht auf Dauer in der Platte binden. Um Vorurteile auszuräumen: Die Platte an sich war weniger schlimm als gedacht. Quietschende Betten, tapsende Kinderfüße und so weiter nahm ich mit Humor! J

Mitte November dann habe ich eine neue Bleibe gefunden, in einer 5er WG mit vier Nordlichtern aus der Nähe von Heide (http://tinyurl.com/LageVonHeide) . Super nette Leute und es macht richtig Spaß mit ihnen zusammen zu wohnen.

Mein Studium hatte ich zu Anfang unterschätzt. Mir wurde schnell klar, dass das keine Schule mehr ist. Also aus der Traum „Nichts tun und trotzdem gut“. Ich sitze oft bis abends mit meinen Kommilitonen zusammen und löse Übungsaufgaben, die jede Woche abzugeben sind. Es ist viel! Ich möchte mich nicht beklagen, aber die Umsetzung von Diplom zu den Bachelorstudiengängen hält was die Gerüchte versprechen. Gleicher Stoff in weniger Zeit. Es geht noch, ich komme noch mit, man passt sich auch dem Tempo an. Allerdings bleibt trotzdem wenig Zeit für freies Informieren oder Interessen, die nicht direkt mit dem Studium zusammenhängen.

Ich möchte weiter an der Trompete aktiv bleiben. Ich habe auch schon 2 Konzerte mit einer BrassBand in Jena mitgespielt. Bin nach den Konzerten allerdings wieder befristet ausgetreten, da die Proben doch oft Zeit raubten, die ich eigentlich hätte für die Uni nutzen sollen. Das fiel mir dann immer am nächsten morgen im Seminar auf. Ich war in der Probe und hatte Spaß dort, die andern haben sich während dessen noch weiter mit den Aufgaben auseinandergesetzt und hatten dementsprechend mehr beizutragen.

Mittlerweile habe ich aber das Gefühl, wieder gut im Rennen zu sein. Ich bemühe mich und lerne fleißig.

Bezüglich meines „weltwärts“-Jahres bin ich in Jena der sogenannten WinD-Gruppe (Weltwärts in Deutschland) beigetreten. Der Träger ist allerdings der DED, nicht das DRK. In dieser Gruppe treffen sich ehemalige „weltwärts“-Freiwillige um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Projekte zu organisieren. Außerdem erhalten wir Coachings und Feedback für Vorträge und Präsentationen.

Momentan starten wir eine Fotoausstellung aus den verschiedenen Ländern (im Moment Mexiko, Kambodscha, Philipinen). Die Idee ist gleich Motive aus verschiedenen Themen wie Arbeit oder Freizeit aus zwei Perspektive zu fotografieren. Einmal aus der Perspektive der Freiwilligen und einmal aus der der Einheimischen. Ich bin gespannt!

Ebenfalls schon im Gange ist der sogenannte „weltwärts-Laden“. Aus der Tatsache, dass in vielen weltwärts-Projekten etwas hergestellt wurde entstand die Motivation diese Produkte in Deutschland zu verkaufen (in meinem Fall Stofftaschen: http://www.fundaciontlaloc.org/images/tmp_otomi_pp.jpg ). Das alles soll ohne Gewinn auf deutscher Seite geschehen und erst einmal in kleinem Rahmen. Momentan ist das einzige Produkt Armbänder aus Bolivien. Buxas (Stofftaschen) der Fundacion Tlaloc (mein Projekt) müssten, wenn alles gut gegangen ist seit heute, Dienstag, unterwegs sein. Dazu kommen dann noch Armbänder von den Philipinen. Die Produkte sollen dann auf kleinen Flohmärkten oder im privaten Umfeld verkauft werden um ersteinmal zu sehen ob die Idee denn funktioniert und um angemessene Preise zu finden.

Momentan bin ich gerade zuhause in Bischoffingen und freue mich allen endlich mal wieder eine Nachricht zukommen zu lassen.

Aus dem Wohnzimmer dringt Weihnachtsmusik nach oben zu mir ins Zimmer. Noch zwei Tage, dann ist Weihnachten!

Ich wünsche allen besinnliche Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!

Mit lieben Grüßen

Lukas

PS. Ich würde alle gerne weiter auf dem laufenden halten, wer in den direkten Mailverteiler aufgenommen werden möchte, melde sich bitte bei mir.

DRK_Abschlussbericht

DRK_Quartalsbericht1

DRK_Quartalsbericht2

DRK_Quartalsbericht3

Mittwoch, 16.6.2010

Endlich kann ich mich mal wieder zu Wort melden! Es ist schon eine ordentliche Weile her seit meinem letzten Eintrag, ich würde sogar sagen Rekordzeit zwischen zwei Einträgen. Ich wurde währendessen nicht nur einmal gebeten endlich wieder etwas von mir hören zu lassen…

Im Augenblick sitze ich grade im Bus von Mexiko Stadt nach Toluca. Vor etwa einer Stunde, habe ich Timm am Flughafen MexikoStadt alleine gelassen. Er hatte es wirklich geschafft mich zu besuchen! Drei Wochen mit einem so engen Freund hier in Mexiko zu verbringen ist echt was tolles! Man sieht die Dinge wieder leichter und trägt nochmal die „Wow-Alles-Völlig-Anders-In-Mexiko“-Brille. Man wird sich mehr und mehr bewusst an was man sich schon alles gewöhnt hat und erinnert sich vage, was einem anfangs noch völlig fremd, abstrus und seltsam vorkam. Die Leute, das Essen, die Autos, überhaupt das Landschafts- und Stadtbild. Die gesellschaftlichen Merkmale, die gewaltige soziale Schere, der ganze Müll auf den Straßen.. aber auf der anderen Seite auch eben der atemraubenden Schönheit und Vielfalt, die dieses Land einem zu bieten hat.

Neun Tage der Zeit, die Timm hier verbrachte, hielten wir uns in Quintana Roo auf. Der süd-östlichste Bundesstaat Mexikos, direkt an der Grenze zu Guatemale und Belize. Zur Yucatan-Halbinsel gehörend und als Teil der Karibik wohl einer der weltweits berühmtesten Teile Mexikos. Es lässt sich hier noch alles finden. Auf der einen Seite Cancun, die Touristenhochburg schlechthin, hinreichend für das „Springbreak“-Gelage der US-Studenten bekannt. Mit Hotelbunker neben Hotelbunker an einem wirklich umwerfend türkisen Meer! Weiter im Süden, das eher bei europäischen Touristen bekannte „Playa del Carmen“. Immer noch in einigen Teilen idyllische, da auch Lokaltourismus stattfindet, allerdings bereichtert sich die Tourismus- und Vergnügungsindustrie immer weiterer Strand und Stadtabschnitte. Immer weiter Richtung Süden und ins Landesinntere gehts dann immer und immer natürlicher und beschaulicher zu. Quintana Roo besteht fast noch zu 70% aus reinem Urwald! Und Urwald heißt dann auch Urwald! Kein, aber auch wirklich gar kein Durchkommen ohne schon vorgehauene Wege oder ortskundige Führer. Wir hatten das Glück einen Maya kennengelernt zu haben, der auf das Bauprojekt einer Französischen Familie im „Monte“ (Regenwald) aufzupassen hatte. „Humberto“, sein Name, war so freundlich und nett uns ein wenig durch den Dschungel zu führen und uns eine Nacht bei ihm auf dem Gelände zu verbringen, natürlich nach Absprache mit den Besitzern. Lautstarke und völlig unbekannte Vogelgesänge waren die ganze nacht zu hören. Als wir dann am nächsten Morgen unsere kleine Wanderung durch den Wald antraten, mit Machete und Stöckchen bewaffnet sahen wir Schmetterlinge, Vögel und Pflanzen mit herrlich buntem Aussehen. In der Region gibt es noch eine Menge Jaguare, Pumas,  Wildkatzen im allgemeinen, Vipern, Boas… und eine Menge, Menge Schnaken. Katzen und Schlangen bekamen wir keine zu Gesicht, ich bin auch nicht ganz sicher, was mir denn lieber gewesen wäre.

Zwei ganze Tage verbrachten wir am Strand um Tulum, einer Maya-Ruine direkt an der Küste. In den Sanddünen an einem der wenigen öffenltichen Strände fanden wir, nachdem wir uns mit den Sicherheitskräften eines Hotels angelegt hatten und jene uns von ihrem Grundstück verscheucht hatten, mit unseren beiden Hängematten platz. Herrlich!

Den letzten Tag vor dem Rückflug nach Toluca verbrachten wir noch einemal in Playa del Carmen, wo wir schon bei der Ankunft einige nette Mexikaner kennengelernt hatten. Allesamt Gastronomiestudenten die von einer Stadt aus dem Norden, San Luis Potosi, nach Playa del Carmen kamen um in den unzähligen Hotels und Restaurants Praxisstunden zu sammeln. Aufgeschlossene und supernette Jugendliche, welche uns einfach so ihre Türen öffneten im über Nacht zu bleiben!

Den gestrigen Abend und Timms letzter Abend in Mexiko verbrachten wir in der Jazzbar, wo ich mittlerweile sehr sehr regelmäßig die Bühne betrete. Momentan findet das erste Jazz-Festival Tolucas statt, ich bin Dienstags und Freitags mit einem Ensemble eines verrückten Peruaners dabei und Mittwochs wie gewöhlich bei der Jam-Session.

Was mich überrascht ist der nicht geringe Besucherandrang! Montag und eben gestern Dienstag war beide Male gerammelt voll. J

Die Arbeit geht den gewohnten Gang, allerings haben die Kinder in unseren Präsentationen immer Überraschungen auf lager! Unsere Präsentation dreht sich hauptsächlich um die 3 R’s, die Grundsätze des Umweltschutzes. Reduce, Reuse, Recycle – oder eben in Spanisch. Reduce, Reutiliza, Recicla! Es geht grundsätzlich um die Umweltverschmutzung durch Müll, vorzüglich Plastik. Wir betrachten den Müll hier als weltgefährdendes Problem, so dass wir die Kinder zu „Superhelden“ im Kampf gegen den Müll ausbilden. Quasi die Welt vor dem bösen Müllmonster zu retten. Das alles kommt normalerweise Recht gut bei den Kindern an.

Dass wir nach unserer Herkunft ausgefragt werden, Deutsch reden sollen, sogar Autogramme geben sollen ist fast schon normal hat allerdings nicht so viel mit der überlieferten Nachricht zu tun.

Vor etwa 4 Wochen passierte etwas für mich faszinierendes und höchst befriedigendes. Nachdem ich grade den letzten Teil meiner Präsentation beendet hatte, meldet sich ein kleiner Junge mit gelockten Haaren. Schaut mich mit großen Augen an und fragt tatsächlich, ob wir nicht mit der ganzen Schulklasse auf den Hof gehen könnten um den ganzen rumliegenden Müll einzusammeln! Ich hätte Freudensprünge machen können. Besser gesagt ich habs gemacht! Die Bilder sind unter dem üblichen Bilderlink zu finden: http://picasaweb.google.de/luckylukemexiko

Mittlerweile bin ich übrigens in Toluca angekommen und sitze gerade in unserem wöchentlichen Radioprogramm. Thema heute ist die Explosion einer Müllhalde zwischen Mexikostadt und Toluca. Es wurden etwa 400 Häuser beschädigt, glücklicherweise kam aber niemand ums leben. Das trifft eigentlich genau den Themenbereich den wir abdecken. Weniger Müll, weniger Müllkippen.

Nun gut, die Müllkippen sind hier nicht, wie man sie sich vielleicht im deutschen Lande vorstellt, von Drainagen durchzogen, ständig überwacht, nach oben und unten abgedeckt, regelmäßig bewegt.. Oft ist hier der Fall, dass einfach ein großes Loch gegraben wird, das dann mit Müll gefüllt wird. Da regnets dann drauf, die Sonne brennt drauf und die ganze Soße versickert dann ins Grundwasser, was man dann wieder aus Brunnen vielleicht in 100m Entfernung der Müllkippe wieder aus dem Boden pumpt. Nun gut, technisch gesehn ist Deutschland dan besser vorbereitet und bewusster, weniger Müll produzieren wir hingegen nicht. Jeder Deutsche produziert etwa 500kg Müll jährlich. Ein Mexikaner etwa 300kg.

Wieder zu erfreulicheren Themen: Diesem Samstag wird der 19. Juni 2010 sein. Das heißt ich werde 20! J Ich werde ebenfalls im Lando, der JazzBar, feiern und spielen mit den Musikerfreunden!

Herzliche Grüße an alle!

26. März 10

Genau zwei Monate seid dem letzten Schreiben vergangen. Heute, bedingt durch eine Erkältung, finde ich zum Glück einmal wieder Zeit und Lust meinem „zurückgelassenem Leben“  Bericht zu erstatten.

Das letzte Wochendeende fand das Zwischenseminar des unseres Weltwärts-programmes statt. Wir haben Eindrücke der letzten 6 Monate besprochen, in wie fern unsere Erwartungen erfüllt werden usw. Eine Freiwillige aus unserer 16köpfigen Gruppe, die Deutschland in verschiedene Richtungen im Oktober verließ hat ihren Dienst in Chile schon Frühzeitig beendet. Gründe waren: Enttäuschung, Unzufriedenheit, mangelde Arbeitsmöglichkeiten und auch Heimweh. Sie wird nun ihr Freiwilligenjahr in Deutschland in einem FSJ-Projekt zu Ende führen. Generell war ich überrascht wie viele Probleme viele mit ihren Projekten auch in Mexiko hatten, eine Freiwillige wurde aus ihrem Projekt gefeuert und ist im Moment quasi „Arbeitslos“. Andere wollen ihre Gastfamilie schnellst möglich verlassen oder ihren Wohnort vom Arbeitsort trennen. Alles verständliche Dinge, ich würde vermutlich auch so handeln, nur bin ich eigentlich ganz zufrieden mit meinem Projekt!

Im Projekt war die letzte Zeit viel los! Wir hatten schon vor einer Weile neunjähriges Jubiläum, das war eine Zeit in der wir ein wenig Stress hatten, mit der ganzen Organisation und Promotion. Da warn wir jeden Tag auf der Straße, haben Karten verkauft, erklärt was wir so machen, kann auch ganz schön anstrengend sein, sich den ganzen Tag den Mund fusslig zu reden um dann ein „Si, voy a ver“, also ein mexikanisches Nein zu hören.

Einige Zeit davor hatten wir ein Forum „Mexico a debate“, ein Veranstaltung in der man als Bürger hätte Vorschläge für Verbesserungen im Land hätte einreichen sollen. Leider kamen wir da zwischen verschiedene Mühlräder. Einmal, dass einfach hier eine so große Gleichgültigkeit herrscht, die Einstellung ist „Es wird sich ja sowiso nichts ändern“. Um das andere Mühlrad zu verstehen braucht es etwas mehr Erklärung: Mexico a debate, ist ein Initiative der föderalen Regierung Mexicos, wo momentan Calderon mit seiner Partei PAN regiert. Der „Estado de México“ wird allerdings von der Konkurrenzpartei PRI geführt und man munkelt, dass der aktuelle Gouverneur Enrique Peña Nieto der nächste Bundespräsident sein wird. Nun wir wollten die Veranstaltung in der Universität des Estado de Mexico abhalten wollten, die eigentlich in ihrem Namen das Adjektiv „Autonom“ trägt. Trotz allem erhielten wir zwei Tage vor dem angesetzten Termin einen Anruf, ja die Veranstaltung könne nicht mehr stattfinden, belegt mit sehr sehr fadenscheinigen Gründen. Letztenendes konnten wir uns noch durchsetzen, den Termin beizubehalten, wurden aber quasi boykottiert. Es war ja geplant, dass auch Profs mit ihren Klassen kommen usw, nicht die Bohne, wir saßen dann da mit etwa 10 Leuten. Alles also etwas enttäuschend, zumal wir bestimmt zwei Wochen wieder auf der Straße standen und Werbung gemacht hatten.

In der Arbeit mit der Communidad sind einige Fortschritte zu verzeichnen, wir haben mehr Stoffe gekriegt um die Taschen für SuperKompras zu produzieren, mehr Kontakte zu Schneidern hergestellt die uns ihre Stoffreste schenken um schöne Taschen herzustellen. Wir haben einen ersten Vertrag mit einem Optiker, der nun anstelle von Papierhochglanztüten von der Communidad hergestellte Mantataschen verwenden will (Manta, der traditionelle Stoff aus der Gegend hier, grob gewobener weißer Garn (glaub ich)). Das Bildungszentrum nimmt auch immer konkretere Formen an, auch wenn ich mittlerweile aus dem Glauben bin, dass es noch vor meiner Abreise stehn wird. Es läuft also alles seinen normalen Gang, wenn auch manchmal etwas langsamer, in die richtige Richtung.

Dann hatten wir noch eine neue Bicitour, war auch wieder ganz nett, allerdings waren weniger Leute als beim ersten mal dabei.

Sonst läuft so der normale Trott in der Arbeit weiter, ich bastel viel an der Homepage rum, halte Präsentationen, usw.

Bilder aus der Arbeit:

http://picasaweb.google.de/fund.tlaloc

Im Privatleben: War wieder viel unterwegs die letzte Zeit. Bin viel Fahrrad gefahren, war im Valle de Bravo und aufm Vulkan, auf dem kleinen Hügel hier in Metepec und auf ner Hubbelpiste.. bin mit den Fachausdrücken noch nicht so vertraut. Die letzten Reisen haben ins DF und nach Malinalco geführt. War super!

Bilder:

http://picasaweb.google.de/luckylukemexiko

Zu der Odyssee der Spendenbescheinigungen:

Ein unglaubliches Durcheinander, ich entschuldige mich hiermit bei allen Spendern.

Stand der Dinge:

Es werden nur noch Spendenbescheinigungen ab 100€ verschickt, da man kleinere Beträge, laut DRK, auch so einreichen kann. Eigentlich müssten nun auch schon alle angekommen sein. Ich hab bisher zumindest eine Rückmeldung, dass eine angekommen sei. Warum sie erst so spät kommen hat den Grund, dass nicht wie anfangs gesagt laufend Bescheinigungen rausgingen, sondern einer nach dem andern abgearbeitet wurde. Da mein Name Stein auch nicht grade am Anfang des Alphabets steht, war ich natürlich auch nicht der erste der Bearbeitung erhielt.

An dieser Stelle nochmal Herzlichen Dank an alle Spender!!

Falls jemand noch eine Bescheinigung vermisst, bitte bei mir melden.

Lukas

26. Januar 2010

Letzten Freitag war ich auf einer Graduationsfeier von einer Freundin, Ana. Da ich nicht wusste, dass Anzugpflicht herrscht, mussten wir nochmal nach Hause um mir andere Kleidung zu besorgen. Unterwegs derweil versuchten wir den abgebrochenen Stöckel von Anas Schuh wieder halbwegs fest zu kriegen. Klappte nich und wir sind dann auch noch zu ihr nach Hause um ein neues Paar Schuhe zu holen.

Wir kamen dann natürlich etwas spät an, für meinen Geschmack aber wars genau richtig: Zum Essen. Ein ziemlich großes Fest, etwa 1000 Leute in einem Festsaal. Das Essen war dann lecker, allerdings nichts zum satt werden. :(

Am nächsten Morgen bin ich nach Guanajuato aufgebrochen um Filipe wieder zu sehen. Wir haben uns in Leon getroffen und sind dann zusammen weiter nach Guanajuato. Er kam grade mit mehreren Zwischenstops auf dem Landwege von Los Angeles und ich von meiner Heimat Toluca.

Guanajuato ist ein schönes kleines altes Mienenstädtchen. Es gibt nur einspurige Straßen und der Großteil des Verkehrs läuft in Unterirdischen Tunneln so dass der Fussgänger dominiert! Außerdem toll: Die Straßen stehen der Hügel wegen nicht im rechten Winkel aufeinander. Das verlangt eine etwas trickreichere Orientierung, verleiht der ganzen Stadt aber einiges mehr Charme. Viel schwieriger wirds dann noch wenn man die hundert kleinen Fusswege „Callejones“ mit einbezieht, welche die Stadt und die Hügel wie ein Spinnennetz ohne Verbindung zwischen den Fäden überziehn. Das Highlight der Stadt ist das „Teatro Juarez“ und die Universität, wirklich wunderschöne Bauten. Das Theater aus dunkelbeigem Sandstein, mit Bronzefiguren auf dem Dach, reich verziert, einfach schön anzuschauen. Die Universität aus weißem Stein, bei Sonnenuntergang wirkt die Treppe die hinauf zum Haupteingang führt wie ein Tor zum Himmel. Ein Teppich aus Licht, blendend.

Sonntags dann haben wir eine Amerikanerin getroffen, eine wirklich nette Person. Sie kam grad von einem Yoga-Kurs aus San Miguel Allende. Sie wirkte auf mich sehr natürlich, offen, gutherzig und äußerst neugierig was wir beide so machen. Schöne Bekanntschaft.

Die Tage haben wir hauptsächlich mit Filipes Kamera Bilder gemacht, er hatte sich eine Spiegelreflex in den USA gekauft. Hab mir dann die Bilder auf meinen UsbStick kopiert und natürlich dann vergessen.

Montag morgen um 4 bin ich recht ermüdet in Toluca angekommen, was schade war weil es in der Arbeit ein spannender Tag werden sollte. Wir hatten in der Schule von Ilan und Chloé zu einem Workshop zur „EarthCharter“ geladen, leider kamen wieder nur wenige Interessierte. Die Redner oder Leiter waren der Vorsitzende von „Mundo Sustentable“, die Bürgermeisterin von Metepec, der Bundessekretär für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung (Sedagro), die Sekretärin des Internationalen Büro der EarthCharter aus Costa Rica. War interessant und spannend, vor allem die Gespräche über die persönlichen Wahrnehmungen, Visionen, Einschätzungen und Erfahrungen im Bezug auf nachhaltige Entwicklung, die die einzelnen Personen preisgaben.

An alle nochmal: Mein Spendenkonto ist voll! Bitte keine Spenden mehr an das DRK überweisen.

Vielen vielen Dank an alle Spender!! (Laut DRK müssten die Bescheinigunge bald eintreffen, „sie gehen laufend raus“)

Liebe Grüße aus Mexico!

Bilder: http://picasaweb.google.de/luckylukemexiko

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